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Lebenslauf

Prof. Dr. Fuat Sezgin wurde am 24. Oktober 1924 in Bitlis geboren. Nach Abschluss der Mittelschule und des Gymnasiums in Erzurum kam er 1943 nach Istanbul, mit dem Vorhaben, Mathematik zu studieren und Ingenieur zu werden. Auf Empfehlung eines Verwandten nahm Sezgin an einem Seminar des auf diesem Gebiet bekanntesten deutschen Orientalisten Helmut Ritter am Institut für orientalische Studien an der Universität Istanbul teil, was sein Studiumvorhaben von Grund auf änderte. Unter dem Einfluß von Ritters Vortrag begab sich Fuat Sezgin am nächsten Tag ins Institut, um sich dort immatrikulieren zu lassen. Weder die abgelaufene Immatrikulationsfrist, noch die Warnungen Helmut Ritters bezüglich der Schwierigkeit dieses Fachbereiches haben Sezgin von seiner Entscheidung abhalten können.

Als die Hochschulausbildung in der Türkei wegen des Vormarsches der deutschen Armee bis nach Bulgarien im Jahre 1943 ausgesetzt wurde, empfahl Ritter seinen Studenten, diesen langen Zeitraum ergiebig zu nutzen und Arabisch zu lernen. Daraufhin beschloss Fuat Sezgin, Tabaris Koranexegese mit den Übertragungen des Korans ins Türkische zu vergleichen und lernte sechs Monate lang täglich 17 Stunden Arabisch, um die in einer komplizierten Sprache verfasste Exegese verstehen zu können. Am Ende dieser sechsmonatigen Arbeit war er imstande, die auf Arabisch verfasste Koranexegese Tabaris wie einen Zeitungstext zu lesen. Als Hellmut Ritter Fuat Sezgin das İhyâ-u Ulûm’id-Dîn von Ab? H?mid Muhammad ibn Muhammad al-Ghaz?l? zum Lesen vorlegte und seinem Schüler es gelang, diesen Text sehr locker zu lesen, war er sehr erfreut über dessen Leistung. In Anbetracht dieser großen Begabung für das Erlernen von Fremdsprachen schlug er Fuat Sezgin vor, mit fünf Sprachen gleichzeitig zu beginnen und jedes Jahr eine Sprache zu erlernen. Sezgin behielt dieses schnelle Arbeitstempo bis in sein hohes Alter bei.

Nachdem Sezgin 1947 seine Magisterarbeit über die Entwicklung von al-Badis Wissenschaft unter der Betreuung von Helmut Ritter abgeschlossen hatte, begann er mit seiner Doktorarbeit über die philologische Exegese in Majaz al-Qur´an von Abu Ubayda Ma´mar ibn al-Musanna. Fuat Sezgin stellte während seiner Doktorarbeit fest, dass einige Orte im Majaz al-Qur´an aus dem ?adi?-Buch von al-Buch?r? entnommen worden sind. Die Heranziehung schriftlicher Quellen durch al-Buch?r? belegte, entgegen der bisherigen Auffassung der Akademiker, dass die ?adi?-Gelehrten nicht nur mündliche Traditionen übernommen hatten. Fuat Sezgin veröffentlichte 1956 seine Dissertation über die schriftlichen Quellen von al-Buch?r?.

Als Fuat Sezgins Name auf einer Liste mit 147 Akademikern angeführt wurde, die nach dem Militärputsch von 1960 durch einen Beschluss der von der Junta gebildeten Regierung von Universitäten suspendiert wurden, musste er seine Studien zwangsweise außerhalb der Türkei fortsetzen. Aussichtslos verließ er seine Heimat, und lehrte er weiter an der Goethe-Universität in Frankfurt. 1965 schrieb er seine zweite Dissertation über ??bir ibn ?ayy?n am Institut für Geschichte der Naturwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt und ein Jahr später erhielt er den Titel des Professors.

Im selben Jahr heiratete er Ursula Sezgin, die ebenfalls Orientalistin ist. Ihre Tochter Hilal wurde 1970 geboren. Den ersten Band der Geschichte des Arabischen Schrifttums, das in diesem Bereich das umfangreichste Werk der Menschheitsgeschichte ist, veröffentlichte er 1967. Das inzwischen 17. Bände umfassende Werk ergänzt Sezgin derzeit um den 18. Band. Einige der Themen in Bänden dieses umfassenden Buches lauten wie folgt: Koran-Wissenschaften, ?adi?-Wissenschaften, Geschichte, islamisches Recht, Dogmatik, Sufismus, Poesie, Medizin, Pharmakologie, Zoologie, Tiermedizin, Alchimie, Astrologie, Meteorologie und relevante Gebiete, Grammatik, mathematische Geographie, Kartographie im Islam und Philosophiegeschichte des Islams.

Ein aus über 10 Akademikern bestehendes internationales Komitee, dass sich mit der Verbesserung von Carl Brockelmanns Geschichte der Arabischen Literatur von befasste, erkannte die Bedeutung der Geschichte des Arabischen Schrifttums und entschied sich dafür, die Verbesserung von Brockelmanns Werk Fuat Sezgin zu überlassen und das Komitee aufzulösen. Als Fuat Sezgin im gleichen Jahr eine Kopie des ersten Bandes seinem in Istanbul befindlichen Lehrer Ritter schickte und um dessen fachliche Bewertung bat, antwortete der erfahrene Orientalist, dass „noch niemand eine derartige Arbeit vorgelegt hat und auch in Zukunft nicht vorlegen wird können“ und gratulierte Sezgin für seine Leistung.   

Im Jahre 1978 wurde Fuat Sezgin mit dem Preis für Islamwissenschaft der König-Faisal-Stiftung von Saudi-Arabien ausgezeichnet. Den erhaltenen Preis wendete Sezgin für die Gründung des Instituts für Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität auf. Das Institut leitet er weiterhin.
Der deutsche Physiker Eilhard Wiedemann wollte wissenschaftliche Instrumente islamischer Forscher anhand von nachgebauten Modellen der Öffentlichkeit vorstellen und begann im Jahre 1900 mit dieser Arbeit. 1928, nach fast dreißigjähriger Tätigkeit hatte er Modelle von fünf Instrumenten fertigstellen können. Angesichts dessen stellte sich Prof. Dr. Fuat Sezgin folgende Fragen: "Kann ich 30 Instrumente nachbauen?“ „Kann ich mit diesen ein Zimmer füllen, wenn auch kein Museum?“ Geleitet von diesen Gedanken gründete er in Frankfurt das Museum für Geschichte der islamischen Wissenschaft und kam dort auf über 800 Instrumente. Im Museum sind von Wissenschaftlern aus dem islamischen Kulturkreis über 800 Exemplare von Erfindungen und Instrumenten ausgestellt, welche Fuat Sezgin auf der Grundlage schriftlicher Quellen nachbauen ließ. Im selben Gebäude ist die ebenfalls von ihm gegründete Bibliothek des Instituts für Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften untergebracht. Die Bibliothek hat einen Bestand von 45.000 Büchern, die Fuat Sezgin mit großer Sorgfalt ausgewählt und mit großen Schwierigkeiten beschafft hat. Die teilweise aus Unikaten bestehende und weltweit einzigartige Sammlung macht diese Bibliothek zu einer Referenzbibliothek im Bereich der Geschichte der islamischen Wissenschaften.

Im Jahre 2008 konnte im Gülhane-Park ein zweites Museum mit fast 700 Exponaten, dank der außergewöhnlichen Bemühungen Fuat Sezgins, gegründet werden. Fuat Sezgin hat nahezu alle diese Ausstellungsstücke als Schenkungen dem Museum beschafft und der türkischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese weltweit einzigartigen Museen präsentieren auf umfassende Weise die Erfindungen und Entdeckungen, die islamische Wissenschaftler im Verlauf von Jahrhunderten der Menschheit geschenkt haben und zeigen die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung der verschiedenen Disziplinen auf. Die in systematischer Reihenfolge aufgestellten Objekte beziehen sich auf die Bereiche Astronomie, Geographie, Seefahrt, Zeitmessung, Geometrie, Optik, Medizin, Chemie, Mineralogie, Physik, Architektur, Technik und Kriegstechnik. Den Besuchern werden nicht nur die großartigen Erfindungen und Entdeckungen in den islamischen Wissenschaften vorgeführt, sondern auch die Tatsache dargelegt, dass diese Erfindungen und Entdeckungen auf unterschiedlichste Weise nach Europa gelangt, dort rezipiert und übernommen wurden. Damit belegt das Museum in realistischer und objektiver Weise, fern von Gefühlen und Vorurteilen, dass die Geschichte der Wissenschaften ein einheitliches Ganzes darstellt.

Prof. Dr. Fuat Sezgin verfasste unter dem Titel Wissenschaft und Technik im Islam eine fünfbändige und insgesamt 1.121 Seiten umfassende Studie als Einführung zu diesen Instrumenten in den Museen. Als Museumskatalog ist es bis heute das umfassendste und umfangreichste Werk und wurde in den Sprachen Türkisch, Englisch, Deutsch und Französisch veröffentlicht.

Im Jahre 2010 wurde die Prof. Dr. Fuat Sezgin Forschungsstiftung für islamische Wissenschaftsgeschichte mit dem Ziel gegründet, die Tätigkeiten des Istanbuler Museums für Geschichte der islamischen Wissenschaft und Technik zu fördern. 2013 wurde an der Fatih Sultan Mehmet Stiftungsuniversität das Prof. Dr. Fuat Sezgin Institut für Geschichte der islamischen Wissenschaft gegründet. Die Prof. Dr. Fuat Sezgin Forschungsstiftung für islamische Wissenschaftsgeschichte vergibt an Studierende des Fachbereiches Wissenschaftsgeschichte monatlich Stipendien in Höhe von 1.000 TL, und Studierende des Magisterprogramms am Institut erhalten ein monatliches Stipendium in Höhe von 1.400 TL. Des Weiteren werden den Bachelor- und Magisterstudenten des Fachbereiches Wissenschaftsgeschichte an der Fatih Sultan Mehmet Stiftungsuniversität keine Studienbeiträge erhoben. Die Einnahmen, die durch den Verkauf der von der Stiftung veröffentlichten Bücher von Fuat Sezgin erzielt werden, Fließen der Finanzierung dieser  Stipendien zu.

Prof. Dr. Fuat Sezgin ist Mitglied einer Vielzahl von internationalen Akademien und wurde mit einer Reihe bedeutender Auszeichnungen und Medaillen geehrt. Unter anderem wurden diese Auszeichnungen verliehen durch die Akademie der arabischen Sprache in Kairo, die Akademie der arabischen Sprache in Damaskus, die Akademie des Königreichs Marokko und die Akademie der arabischen Sprache in Bagdad. Fuat Sezgin wurde zum Ehrenmitglied der türkischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Ausgezeichnet wurde er u.a. auch mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main, mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, dem Iranischen Buchpreis für die Islamwissenschaften, dem Hessischen Kulturpreis und dem Großen Präsidentschaftspreis der Republik Türkei für Kultur und Kunst. Ehrendoktortitel erhielt Prof. Dr. Fuat Sezgin von der Atatürk Universität, der Süleyman Demirel Universität, der Erciyes Universität und der Istanbul Universität.

Das unter der Leitung von Prof. Dr. Fuat Sezgin in Istanbul gegründete Museum für Geschichte der islamischen Wissenschaft und Technik wurde aufgrund seiner exzellenten Ausstellungsstücke und der originellen Arbeiten 2016 als Institution mit dem Sonderpreis des Türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus ausgezeichnet.

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